LBV Gebietsbetreuung Obere Isar & Karwendel

Kiesbrüter und Riesenbärenklau an der Oberen Isar (8.8.2019)

 

Trotz des Hochwassers im Mai/ Juni 2019 hatten die Flussuferläufer und Flussregenpfeifer an der Oberen Isar erfreulicherweise Nachwuchs. Die Kiesbrüter legen in solchen Jahren nochmal ein Gelege an. Langsam verlassen sie die Isar und ziehen sie wieder in ihre Überwinterungsgebiete nach Afrika. Dafür sind aktuell die Eisvögel schon eingetroffen, die sich im Herbst und Winter an eisfreien Flüssen in Deutschland verteilen. Für eine Brut bietet die Isar keine Strukturen. Lehmige Uferwände sind für Eisvögel in der kiesgeprägten Umlagerungsstrecke so gut wie nicht vorhanden. Derzeit finden sie in Gumpen und Nebenarmen reichlich kleine Fische als Nahrung.

 

Weil die Erholungsnutzung im Jahresverlauf stark ansteigt, wenn neben den Tagestouristen aus München auch Urlauber an die Isar drängen, hat das EU-INTERREG-Projekt „Vielfältiges Leben an unseren Gebirgsflüssen“ einen großen Anteil am Bruterfolg der Kiesbrüter. Im Projekt wurden 15 Bereiche mit Schildern gekennzeichnet, an denen die Vögel brüten. Viel Arbeit für den Tölzer Naturschutzwächter Bernd Wahler und LBV-Gebietsbetreuer Michael Schödl. Wegen des Hochwassers mussten die Schilder mehrfach erneuert oder auch umgestellt werden, wenn die Vögel umzogen. „Natürlich muss man in den Bereichen noch immer Menschen ansprechen, die sich darin aufhalten“, sagt Schödl. Im Gespräch klärt sich dann meist, dass die Erholungssuchenden ein Schild übersehen haben. Die Menschen wollen ja keine Gelege mutwillig zertreten, sie kennen und erkennen einfach die Vögel nicht. „Wir arbeiten daran, dass die Kennzeichnung immer besser wird, aber man merkt schon, dass sich viele Menschen an die Schilder halten und ihren Badeplatz außerhalb suchen“, bestätigt Schödl. Kiesbrüter profitieren von der Umlagerung des immer wieder aus den Bergen nachgelieferten Geschiebematerials (Kies, Sand, Felsen). Wenn alles zuwächst finden sie keine Brutplätze mehr. Wenn man nun den Geschiebenachschub von oberhalb stoppt, hat das Auswirkungen auf den gesamten Wildfluss zwischen Krün und Sylvensteinspeicher. „Dass hier nach Hochwasser oder Geschiebeentnahme die Isar in kurzen Abschnitten trocken fällt ist eine Folge der gestörten Kiesverteilung und den verminderten Kiestransports durch die Wasserableitung am Krüner Wehr“, bemängelt Schödl. „Bei einer Kiesfalle oberhalb des Stauwehres würde hier deutlich mehr Kies entnommen, als das aktuell der Fall ist.“ Dieser Kies fehlt dann unterhalb und die Folgen davon prüft gerade das Landesamt für Umwelt.

 

Gegen den Riesenbärenklau, an dessen Blättern man sich bei Sonnenschein starke Verätzungen holen kann, hilft die Umlagerung von Kies im Flussbett. Gerade das Hochwasser 2019 hat die Pflanzen wieder aus dem Flussbett entfernt. Anders am Ufer oder im angrenzenden Auwald. Durch die dauerhafte Arbeit des Gebietsbetreuers, unterstützt durch Ziegenbeweidung am Krüner Stausee, konnte die Zahl der Riesenbärenklaupflanzen in den letzten fünf Jahren von mehreren tausend auf nur noch mehrere hundert verringert werden. „Noch ist kein Ende in Sicht, denn die Samen im Boden keimen noch über Jahre und wenn nur eine Pflanze ihre ca. 30.000 Samen abwirft ist wieder ein großes Potential für neue Pflanzen geschaffen.“ Wichtig ist, dass keine Gartenabfälle in der Natur entsorgt werden. Daraus stammen die Bestände an der Oberen Isar.

 

Die Anstrengungen für diesen Flussabschnitt mit deutschlandweit einzigartiger Artenausstattung und einer Vielfalt an Lebensräumen müssen also fortgeführt werden. Dafür hat der LBV nach vielen Vorarbeiten 2008 eine Gebietsbetreuung unter Förderung durch den Bayerischen Naturschutzfonds, den Bezirk Oberbayern und den Landkreis Garmisch-Partenkirchen eingerichtet.

 

Fotos: Schödl. Oben: Im verzweigten Wildfluss sind Wasserstandsschwankungen im Restwasserabschnitt unterhalb Wallgau möglich. 

Unten: Momentan entwickelt der Riesenbärenklau – wie hier gegenüber des Recyclinghofes bei Wallgau – schon die Samenstände.

 

 

 

 

 

Der Bayerische Naturschutzfonds, der Bezirk Oberbayern, der Landkreis Garmisch-Partenkirchen und der Landesbund für Vogelschutz e.V. finanzieren die LBV - Gebietsbetreuung an der Oberen Isar & Karwendel.

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